16. April 2011

Der richtige Zeitpunkt

Den gibt es beim Tod eines geliebten Menschen wohl nie.
Angeregt durch diesen Post der Freidenkerin (ich lese in neu gefundenen Blogs von Zeit zu Zeit auch gerne rückwärts oder gleich den ganzen Blog), habe ich mich in den letzten Tagen noch einmal mit dem Tod meines Opas beschäftigt.
In seinen 84 Jahren war er nie wirklich ernsthaft krank. Das erste Mal im Krankenhaus war er zu Beginn diesen Jahres, damit endlich die Ursache für sein nächtliches "Umfallen" gefunden wird. Es war mehrmals passiert, dass er, nachdem er nachts raus musste, regelrecht umgekippt und für mehrere Minuten weggetreten ist. Er wollte nicht ins Krankenhaus. Er hat wohl mehrmals zu meiner Oma gesagt, dass es ihm am liebsten wäre, er würde in so einer Situation "gehen".
Im Krankenhaus hat man neben der Ursache für das Umkippen auch den Tumor an der Niere entdeckt. Es war also ein reiner Zufallsfund. Der Urologe, bei dem er sich vorstellen sollte, war für Beobachten und hielt eine OP für nicht erforderlich. Das Krankenhaus riet zur schnellen OP. Mein Papa und mein Onkel waren wie ich der gleichen Meinung. Wenn der Tumor bösartig ist (war er letztlich auch), dann konnte die OP ihm vielleicht noch ein paar Monate  oder Jahre schenken ehe er streut und es zu spät ist. Wäre er gutartig, dann war das Risiko der OP bei seinem Allgemeinzustand nicht unverhältnismäßig hoch.
Auch ein befreundeter Arzt, mit dem mein Papa den Befund noch besprach, riet eher zu OP.
Letztlich weiß niemand, was passiert wäre, wenn mein Opa sich gegen die OP entscheiden hätte. Wann hätte der Tumor gestreut und er vielleicht Schmerzen bekommen? Wäre er bei einer seiner nächtlichen "Aktionen" nicht mehr aufgewacht? Hätte sein Körper aus anderen Gründen den Dienst eingestellt? Es weiß niemand.
So schmerzlich für meine Oma, meinen Papa, meinen Onkel und den Rest der Familie dieser Verlust ist, glaube ich doch, dass er im "Sinne" meines Opas war. Es ist ihm auf jeden Fall eine lange Leidenszeit erspart geblieben. Aus dieser Sicht war es vielleicht sogar der richtig Zeitpunkt, um zu gehen.

Wir werden nächsten Samstag noch einmal zu meiner Oma und zum Grab fahren. Ich möchte noch einmal "in Ruhe" - ohne eine ganze Trauergemeinde - Abschied nehmen.
Außerdem haben die Waldkinder schon nach den jungen Hasen gefragt ;-)
Mein Opa bzw. mein Onkel, der im selben Haus wohnt, haben Hasen und da gab es Anfang März Junge, die jetzt groß genug sind, dass sie aus dem Nest gekrochen sind.
Bei aller Trauer geht das Leben weiter. Aber er wird fehlen.

PS: Liebe Freidenkerin, sollte Dir die Verlinkung nicht Recht sein, dann schicke mir eine kurze Mail (unter Profil). Ich habe leider keine E-Mail-Adresse bei Dir gefunden.

Kommentare:

Anna-Lena hat gesagt…

Das tut mir Leid, dass du deinen Opa verloren hast. Der richtige Zeitpunkt? Den können wir Menschen nicht bestimmen. Ich halte es immer für wichtig, dass ein Mensch in Würde gehen kann, ohne unendlich lange zu leiden.
Wir haben vor einer Woche von einem Freund Abschied genommen, der anfänglich Speiseröhrenkrebs und dann - trotz Chemotherapien - Metastasen überall hatte. Seit Weihnachten konnte er nichts mehr essen und nur noch etwas trinken. Somit hat er drei Monate gelitten und ist sozusagen verhungert und verdurstet, bis das Herz endlich stehen geblieben ist. Das ist kein Gehen in Würde. Er starb zu Hause. Seine Frau hat ihn bis zur letzten Minute gepflegt.

Ich wünsche deiner Oma und dir viel Kraft, damit fertig zu werden.
Liebe Grüße
Anna-Lena

Gedankenkruemel hat gesagt…

Liebe Sigrid,

Der richtige Zeitpunkt, den können wir nie bestimmen. Aber hoffen das der Betreffende am wenigsten leidet.
Es tut mir leid für euch das dein Opa verstorben ist. Aber wir tragen unsere Lieben ja immer im Herzen. Somit gehen sie nie völlig von uns.

Schön dich kennen gelernt zu haben. Es war einfach ein wundervoller Abend bei Heike.

Ganz herzliche Grüsse
Elke
(ich habe dich verlinkt hoffe das ist ok?)

Chinomso hat gesagt…

Sigrid, so traurig es auch ist, du hast es schon geschrieben... es ist ihm vielleicht viel Leid erspart geblieben. Ich wünsche dir und deiner Familie viel Kraft den Verlust zu verkraften.

Danke auch für den Link zu Margots Beitrag. Ich kannte ihn noch nicht, denn so lange kenne ich sie noch nicht. Und so weit zurück habe ich bisher nicht geschafft zu lesen.

Margot, Danke für diesen sehr gefühlvollen und liebevollen Beitrag über deinen Vater.